eine Zusammenfassung
Interview mit Jesper Juul, Human Resources Manager, Juni/Juli 2012
Im Interview betont der dänische Familientherapeut Jesper Juul die Parallelen zwischen Familien- und Unternehmensführung. Sowohl Eltern als auch Führungskräfte stünden heute vor ähnlichen Herausforderungen: alte Wertsysteme hätten ihre Gültigkeit verloren, während Demokratie, Individualität und globale Perspektiven stärker in den Alltag eingezogen seien.
Führung und Beziehung
Juul beschreibt, dass viele Führungskräfte im zwischenmenschlichen Bereich scheitern, weil sie zwar soziale Regeln beherrschen, aber wenig Erfahrung mit echten, persönlichen Beziehungen haben. Sie fürchten, sich angreifbar zu machen. Dabei sei Beziehungspflege der Schlüssel erfolgreicher Führung – und gute Beziehungen kosteten nicht mehr Zeit als schlechte, sondern erforderten nur mehr Qualität in den Begegnungen.
Neue Rolle von Führung
Die klassische hierarchische Führung, die auf Planung und Kontrolle beruht, verliere an Bedeutung. Stattdessen brauche es Führungspersönlichkeiten, die für Kultur, Werte und Kommunikation verantwortlich sind. Junge Mitarbeiter bevorzugten diese Faktoren heute gegenüber einem hohen Gehalt.
Vorbildfunktion und Vertrauen
Das Verhalten von Führungskräften beeinflusse massgeblich die Haltung der Mitarbeiter. Gute Vorbilder seien heute jedoch selten – sowohl in Unternehmen als auch in Familien. Juul fordert mehr Vertrauen in Mitarbeiter, ähnlich wie Eltern ihren Kindern vertrauen sollten.
Familie als Lernort für Führung
Juul sieht in der Elternrolle eine Schule der Führung: wer sich aktiv in der Familie engagiere, entwickle soziale und empathische Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt zentral seien. Unternehmen sollten daher Familienleben nicht als Hindernis, sondern als Ressource und Lernchance betrachten.
Konflikte als Teil von Führung
Konflikte seien unvermeidbar und gehörten zur Führungsrolle. Harmonie sei kein Ziel an sich – entscheidend sei, wie mit Konflikten umgegangen wird. Viele Konflikte im Unternehmen hätten emotionale Ursachen und erforderten Empathie sowie menschliche Kompetenz statt blosser Höflichkeit oder politischer Korrektheit.
Kernaussage:
Juul plädiert für eine Führungskultur der Menschlichkeit, in der Beziehungen, Vertrauen und Empathie zentrale Rollen spielen. Gute Führung ist für ihn keine Frage von Macht, sondern von Verantwortungsbewusstsein und persönlicher Integrität.
Management Summary – Jesper Juul über Führung und Beziehungen
Der Familientherapeut Jesper Juul betont, dass moderne Führung vor allem auf Beziehungsqualität, Vertrauen und Authentizität beruht. Klassische hierarchische Modelle verlieren an Bedeutung; gefragt sind Führungspersönlichkeiten, die eine werteorientierte Unternehmenskultur gestalten und menschliche Kommunikation fördern.
Juul sieht deutliche Parallelen zwischen Elternschaft und Leadership: Beide erfordern Empathie, Verantwortung und die Fähigkeit, Konflikte konstruktiv zu lösen. Gute Beziehungen kosten keine zusätzliche Zeit, sondern steigern Motivation, Kreativität und Produktivität. Vertrauen und Vorbildfunktion sind zentrale Erfolgsfaktoren moderner Führung.
Unternehmen profitieren, wenn sie Familienleben als Ressource begreifen und Mitarbeitenden Raum für persönliche Entwicklung geben. So entsteht eine nachhaltige, menschliche und leistungsfähige Organisationskultur.
Quelle
Interview mit Jesper Juul, Human Resources Manager, Juni/Juli 2012

